Der Wehrturm unserer Matthäuskirche
Wer auf der Frankfurter Straße in Niederzwehren stadtein-
oder stadtauswärts fährt, den grüßt mächtig
von seiner Höhe der Wehrturm der Matthäuskirche.
Sein Mauerwerk wurde aus Bruchsteinen 1,50m dick gemauert und
1472 fertiggestellt. Das Erdgeschoß diente als gottesdienstlicher
Raum, mit Kreuzgewölbe und Tabernakel. Als Wehrturm besitzt
er im 1. Obergeschoß Schießscharten zur Nord- und
Südseite, im 2. Obergeschoß eine nach Osten gerichtete
Schießscharte und weiter höher 4 Pechnasen. Ein rundum
laufender Sims verhindert das Anlegen von Leitern. So konnten
sich die Niederzwehrener Bürger vor den Angreifern sicher
hinter seine Mauern zurückziehen.
Vor Angreifern muss uns der Turm heute nicht mehr schützen.
Aber was den Zwehrener Bürgern lieb und teuer ist, möchten
sie natürlich gern nutzen. Es wurden Wünsche laut, ihn
als Aussichtsturm zu nutzen.
Konrad Usbeck schreibt in seiner Chronik von Niederzwehren: "Durch
eine niedrige enge Tür gelangt man vom Dachboden des Kirchenschiffes
auf das Gewölbe und von da auf den Fußboden des 1.Stockes."
Für uns ist es heute einfacher. Erst kürzlich wurde
eine neue Treppe eingebaut. Hinzu kam eine perfekte Lichtinstallation.
So kann ich heute hell und sauber Besuchergruppen durch den Turm
führen. Kindergartenkinder, Schulkinder, Konfirmanden und
interessierte Erwachsene hören gespannt zu, wenn ich ihnen
von der wechselvollen Geschichte des Turmes erzähle.
Weiter geht es zur mechanischen Turmuhr, die seit fast 100 Jahren
den Zwehrenern die Stunden schlägt.
Mächtig hängen 4 Glocken im Turm, wobei leider die große
Gloriaglocke wegen Beschädigung nicht mehr schlägt.
Schade! Neben der großen Gloriaglocke hängen die Gebetsglocke
und die Kriegsopfergedächtnisglocke, die in 1951 in den Turm
kamen. Beide Glocken sind nun auch fast am Ende ihrer Laufzeit
angekommen. Schön wäre es, wenn zu der ältesten
Glocke, der Betenglocke aus dem Jahre 1573, die aus Bronze gegossen
ist, wieder ein komplettes Bronzegeläut in unserem Wehrturm
erklingen könnte. Vielleicht finden sich ja in absehbarer
Zeit edle Spender, die dieses ermöglichen.
Der Höhepunkt einer Turmbesteigung ist dann die Plattform
mit den 4 Ecktürmchen. Von hier hat man eine herrliche Aussicht
auf den alten Dorfkern und die umliegende Gegend bis Söhre,
Kaufunger Wald, Hasenhecke, Innenstadt, Habichtswald, Nordshausen,Altenbauna
und Knallhütte.
Sollten Sie wirklich zu denen gehören, die noch nicht auf
dem Wehrturm waren, besteht jedes Jahr auf unserem Sommerfest
wieder die Gelegenheit. Sie können aber auch jederzeit einen
Termin mit mir vereinbaren.
Es grüßt Sie Ihr Türmer, Wilfried König